Vogtländischer Verein zu Berlin e. V.

12. November 2021, gepostet in Vogtland, Vogtländischer Verein zu Berlin e. V.Dor Moosmaa aus Berlin

Wir freuen uns, heute die Leidenschaft eines unserer Mitglieder zu veröffentlichen.

Foto: Joachim Thoß / Erschienen in der Freien Presse von Bernd Appel.

Das Vogtland hat Gerhard Gruner schon vor 45 Jahren verlassen. Von den Symbolgestalten des vogtländischen Weihnachtsfestes ist er noch fasziniert wie in seiner Kindheit.

Gerhard Gruner (67) weiß noch ganz genau, wann es ihn „erwischt“ hat. 

„Das war 1963, ich ging in Treuen in die 4. Klasse“, erinnert er sich. „Und wir lasen im Buch ,Wenn die Heimat spricht, spricht das Herz‘. Dort stand auch die Geschichte vom Moosmann und Moosweibel.“ Damals lernte er, dass diese kleinen, mit Moos bekleideten Sagengestalten sich vorm „Wilden Jäger“ fürchten und nur unter Wurzeln oder Bäumen mit dem Zeichen der drei Kreuze vor ihm sicher sind, dass sie ihren Helfern Laub oder Zweig schenken, die sich später in pures Gold verwandeln, und manches andere.

„Alles, was ich als Kind aufgenommen habe, habe ich mitgenommen nach Berlin“, sagt der gebürtige Treuener, der schon seit 1974 in der Hauptstadt lebt. Die Moosleute haben seine Fantasie immer wieder beschäftigt. Nach der Arbeit als Ingenieur versuchte er sich an eigenen Geschichten über die Sagengestalten der Weihnachtszeit. Richtig Zeit hat er dafür, seitdem er Rentner ist – und hat nun Nägel mit Köpfen gemacht. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse erschien sein Buch über „Alte Sagen und neue Geschichten von den Moosfrauen und Moosmännern aus dem Vogtland und Umgebung“.

Gerhard Gruner hat alles Verfügbare zum Thema zusammengesucht und einiges in das Werk aufgenommen. Doch insgesamt gebe es zu wenig, fand er, und schrieb kurzerhand elf komplett neue Geschichten, etwa über „Das unterirdische Gewölbe zu Treuen“, „Das Waldpärchen vom Schneckenstein“ oder „Das Moosweibchen als Kräuterfrau“. Hinzu kommen noch „abgeleitete Sagen“, wie er sie nennt. Dabei hat er vorhandene Sagen mit den Moosleuten als neuen Akteuren umgewidmet. Die Titelseite des Paperbacks zieren ein Moosmann und ein Moosweibel, die im Falkensteiner Museum stehen. Dort wird sein Werk auch zum Verkauf angeboten, der Absatz ist nach Angaben von Andreas Rößler gut: „Die meisten Bücher haben wir schon verkauft.“ Auch bei Amazon kann man das Moosmann-Buch bestellen, es kostet fünf Euro. „Ich will ja nichts dran verdienen, sondern die Sage vom Moosmann lebendig halten“, sagt der Autor. „Vor allem will ich die Kinder dafür gewinnen.“

Natürlich kennen auch seine Enkel, die im Ruhrgebiet leben, die Geschichten vom Moosvolk aus den vogtländischen Wäldern. Sie hören sie jedes Jahr, wenn die ganze Familie das Weihnachtsfest in Gruners Berliner Wohnung auf vogtländische Art feiert: Mit Weihnachtsberg, Schwibbögen, Pyramiden – und selbstverständlich einigen Moosmännern und Moosfrauen auf Tischen und Schränken.

Als nächstes Projekt befasst sich der Wahl-Berliner mit lustigen Kneipengeschichten aus Treuen – da gebe es viel zu berichten, meint er.

verfasst von André

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